Projekt Orient

Am Projekt “Orient” der Wölflingsstufe möchten wir die Methode vorstellen, von der die pfadfinderische Jugendarbeit geprägt ist.

  1. Die Spielidee suchen (Ideenfindung)
    Die Großgruppe teilt sich in Kleingruppen zu drei bis fünf Kindern auf.
    Hier werden nun alle Ideen der Kinder gesammelt. Sie reichen von Karl May über Abenteuer unter Wasser, Mission, Eisenbahn, Orient, Indianer, Ritterzeit, Bankräuber, Krieg der Sterne, Pumuckl, Pan Tau, Heidi bis hin zu Derrick. Wichtigstes Requisit ist dabei eine Tapetenrolle, um die Ideen
    aufzuschreiben. (Daher unser hoher Tapetenverbrauch!!)
    Die einzelnen Kleingruppen treffen wieder zusammen. Die Tapeten werden – für alle sichtbar – an der Wand befestigt. Nach Abstimmung mit den Kindern werden die einzelnen Spielideen (Wiederholungen, wirklich durchführbare Ideen usw.) zusammengestrichen.
    In erneuter Kleingruppenarbeit einigt man sich; die Großgruppe stimmt ab.
    Einzelne Gegenstimmen müssen mit stichhaltigen Argumenten überzeugt werden.
    Wenn ein einziges Kind nicht umzustimmen ist oder die Spielidee nicht
    toleriert, wird der ganze Vorgang wiederholt.

  2. Erforschen und Erkunden
    Was bezeichnet man als Orient, welches Gebiet umfaßt er?
    Welche Religionen, Lebensgewohnheiten, Export-Import, Kleidung gibt es?
    Welche Tiere, Gemüse usw. ?
    Alle diese Fragen werden mit Hilfe von Büchern, Bildern, Beschreibungen u.a. von Kindern und Leitern erarbeitet. Auch passende Geschichten, Gedichte und Lieder werden ausgesucht.

    Die Phase leitet über zum
  3. Einüben und Ausrüsten, Trainieren von Fertigkeiten
    Die “orientalischen” Kinder tragen natürlich ein arabisches Gewand und einen Turban, die Frauen gehen verschleiert. Also organisiert man alte Bettlaken usw. Auch die handwerklichen Fähigkeiten, wie töpfern, weben, Teppiche knüpfen, nähen und stopfen, kommen nicht zu kurz. Natürlich werden auch das Feilschen auf dem Basar und das Ausrufen des Muezzin von der Moschee oder arabische Tänze trainiert.
    So ausgerüstet kann dann das
  1. Abenteuerspiel stattfinden.
    Wir besuchten mit unserer Wölflingsgruppe den befreundeten “Beduinenstamm” in der Oase Castropien. Alle angetan mit arabischen Gewändern, mit Turbanen, die eher wie Kopfverbände aussahen, machten wir uns in Ermangelung von Kamelen mit den Autos auf nach Castropien. An allen Ampeln wurden wir aus neben uns haltenden Autos argwöhnisch angesehen. In der Oase wurden wir freundlich empfangen, hockten uns nieder, schlürften mit unseren Brüdern stark gesüßten Pfefferminztee, klönten etwas, tanzten einige Volkstänze gemeinsam und fuhren zu unserem weißen Haus in der Oase Lütgendortmund zurück.
  2. Dann folgt das Abschlußfest
    Alle Kinder und Leiter bringen etwas von zu Hause mit: Obst, Kuchen, Sprudel, Kakao oder irgendetwas zum “Orient” passendes. Der große Saal wird zu einer orientalischen Stadt mit Moschee und Häuserkulissen, Diwans, vermummte Gestalten ringsherum. Ruft der Muezzin zum Gebet, hockt sich alles auf den Boden, verneigt sich nach Osten (in Richtung unserer Pfarrkirche) und dankt mit tausend Worten Allah für das gute Essen, für die Getränke, für das gute Wetter, für die Eltern, Geschwister, Erzieher, usw., usw. Der Scheich empfängt mit wohlgesetzten Worten ausländische Gesandte. Geschichten, Lieder, Volkstänze, Spiele und Theaterstückchen füllen den Nachmittag aus. Wenn Sie also einmal Kinder oder Jugendliche in außergewöhnlichen Gewändern sehen, könnte gerade ein Projekt laufen. Bitte nicht stören!
  3. Reflexion
    Je nach Lust und Laune der Kinder zieht sich so ein Projekt einige Wochen hin.
    In der Gruppenstunde nach dem Abschlußfest findet die Reflexion statt, ein sehr wichtiges Instrument in der Jugendarbeit. Es gibt dabei mehrere Varianten; am beliebtesten ist die Art mit den Wassereimern:
    Ein gefüllter Wassereimer mit einem Schöpflöffel darin steht in der Mitte, rechts und links davon je ein leerer Eimer, wobei festgelegt wird, welcher Eimer die positiven bzw. die negativen Elemente aufnehmen soll. Jedes Kind sagt nun, was ihm gefallen hat und was nicht,und leert den Schöpflöffel in den entsprechenden Eimer. Da waren die Jungen wieder einmal zu laut, die Mädchen zu zickig, es wurde zuviel gesungen, usw. Auch die Leiter kommen meistens nicht ungeschoren davon. Hier lernen die Kinder, offen ihre Meinung zu sagen.
    Am Ende der Reflexion kann man feststellen, welcher Eimer mehr Wasser enthält – der für das Positive oder der für das Negative.