86. Katholikentag

86. Katholikentag

“Christi Liebe ist stärker”, … das war mir schon öfter begegnet in diesem Frühjahr. Doch ich wusste einfach nichts richtiges damit anzufangen. Einmal fand ich etwas an einer Autofensterscheibe kleben.

“Was ist das eigentlich? “Christi Liebe ist stärker” das Leitwort des Katholikentages in Berlin.”
Da wusste ich es endlich.
Das fand ich interessant. Ich würde gerne hinfahren. Zuhause erfuhr ich, daß aus unserer Gemeinde ein Bus mit Pfadfindern aus Mengede und Lütgendortmund fahren würde.
Da hängte ich mich an. – Ich bin nämlich kein Fahrtfinder, höchstens ein Pfadsucher.

Der Bus kam schon mit Verpätung an. Das fiel aber kaum auf, denn es war ein quirliges Durcheinander. Alle waren voller Erwartung was die Zeit bringen würde. Mit Hallo gings’ los, gegen 14 Uhr standen etliche Busse an
der Deutsch-Deutschen Grenze und warteten auf Einlaß. Das ging ziemlich zügig. In Berlin gegen 18 Uhr angekommen, bekam jeder Bus einen Lotsen auf einem Motorrad, der die Busse zu ihren letzten Zielorten bringen
sollte. Wir sollten am Wannsee in einem Naturschutzgebiet zelten.

Es war herrliches Wetter, warm und trocken; das hielt uns bei Laune und Gepäck und Zelte waren schnell aus dem Bus geschafft. Beim Aufbau der Zelte schaute ich zu, weil ich da total unkundig war, weil ich es kaum
gemacht hatte. Ich kann nämlich fast nichts sehen.
Nach dem Abendessen fuhren wir mit dem Bus zum Kongreßzentrum, wo die Eröffnung stattfand. In der Deutschlandhalle saßen bzw. standen alle dichtgedrängt und ich weiß nur noch aus einer Ansprache:

” … heutzutage würde es weniger Aufsehen erregen, wenn jemand im Bikini durch ein Lokal ginge, als wenn jemand im Restaurant vor dem Essen beten würde…”
Durch diese Aussage war mir die Frage gestellt: Warum bete ich in der Öffentlichkeit eigentlich nicht?..
Wir blieben nicht lange in der Halle, weil es einfach zu voll war. Nach den Grußworten des Papstes gingen wir in Richtung Sommergarten. Da traf Heinz-Josef Forthaus, unser Vikar, alle Meter Leute, die er kannte.
“Der muß ein Magnet in der Tasche haben”, meinte ich. Es war einfach unwahrscheinlich. – Das Problem Entfernungen in Berlin machte sich
an jedem Tag bemerkbar. Wir waren mindestens 1 1/2 Std. unterwegs, ehe wir einen Zielort erreicht hatten, wo wir hinwollten. 2 Stunden vorher musste man mindestens dort sein, um die Veranstaltung ganz mitzubekommen. Kam man später, war es nicht selten, daß geschlossen war “wegen Überfüllung” – Die Menschenmassen waren schon beeindruckend. Am lebhaftesten ging es auf den U-Bahnhöfen zu und in den Zügen. Wir standen wie die Heringe und wenn man jemanden sah mit dem Schildchen “Christi Liebe ist stärker” dachte man schnell: Der gehört auch zu uns. Das Schild war in der ganzen Stadt für alle Leute das Erkennungszeichen. Wenn sich Gruppen begegneten, wurde mit Liedern oder Hallo gegrüßt. Das war auch so schön im U-Bahnwagen. Wenn einer anfing zu singen, z.B.:

“Der Himmel geht über allen auf..,” sang der ganze U-Bahnwagen mit. Es war eine Bombenstimmung. An einem Morgen fuhren wir eine ziemlich ruhige U- und S-Bahnstrecke. Nicht weit von der U-Bahn war die Kirche, in der eine Pfadfindermesse gefeiert wurde. An ihren Kluften erkannte man die Pfadfinder schon von weitem.

Die Leute standen bis draußen. Es rückten alle zusammen, damit möglichst viele die Messe mitfeiern konnten. Was nicht so schön war: Unser Programm vom Katholikentag wurde durch Pflichtveranstaltungen durchkreuzt, die wir besuchen mussten, um die entsprechenden Zuschüsse von der Stadt Berlin und vom Bund zu bekommen. Bei den Vorträgen, die zumeist eine Stunde oder länger dauerten, zeigte sich dann, wie anstrengend es war, den ganzen Tag auf den Beinen zu sein. Wir dösten mehr oder weniger vor uns hin, während der Redner redete, … ja, um zu reden.

Ein Erlebnis war für mich das Nachtgebet in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, der Puderdose, wie die Berliner sagen. Wir durften uns gegenseitig mitteilen, jeder einem Nachbarn ein paar Minuten lang, was ich bis jetzt als den Höhepunkt empfunden hatte. Erst war Ruhe, man hätte eine Stecknadel fallen hören können. Aber dann sprachen die Leute wirklich miteinander. – Das so etwas klappen könnte, hätte ich nicht gedacht, wenn ich nicht selbst dabei gewesen wäre. Direkt aus der Stadt kamen wir bis zum ICC. Dort wars’ aus, wenigstens mit den Bussen. Wir mussten per Autostop bis zu unserem Zeltplatz fahren. Ich wurde mit noch ein paar Leuten in einen PKW gesteckt. Als der Rest der Truppe kam, stiegen wir noch in einen Bulli der sowieso zu voll war und es ging mit Schneckentempo, Gesang und Hallo auf unseren Zeltplatz. Am Samstagnachmittag erlebte ich auf der Waldbühne mit einigen Bekannten verschiedene Folkloregruppen. Wir schrieben füreinander gute Wünsche auf Stoffbänder, dann banden wir sie in Haare, an die Handgelenke und um die Beine. Außerdem ließen wir Luftballons steigen.

Am Abend war dann das Fest auf dem Kuhdamm. Es dauerte lange, bis man sich den Kuhdamm rauf und runter geschlängelt hatte. Vor allem ist mir von da noch ein Lied eines Israeli im Kopf: “In Deinen Toren will ich stehen, du freie Stadt Jerusalem, in deinen Toren kann ich atmen, erklingt mein Lied.” Wir waren hingerissen.

Als wir ein freies Plätzchen fanden, schmissen alle ihre Taschen und Jacken hin und wir tanzten wie wild. In den Kreis oder die Kette reihten sich immer wieder Leute ein. Es war ein wildes Treiben.

Der Abschlußgottesdienst am Sonntag war im Olympiastadion. Die Ränge waren voller Menschen. Die Meßdiener fielen um wie die Fliegen und ich fand es schön, zu all diesen Menschen zu gehören, die da rund um mich waren.

Wenn diese Menschen wirklich alle auf der Suche sind, und etwas gefunden haben, an das sie sich halten können, dann hat sich der Katholikentag bestimmt gelohnt. – Ich werde z.B. immer noch von einem Mädchen aus Mengede angesprochen, wenn sie mich irgendwo in der Stadt trifft. “Guten Tag Maria, ich bin Monika aus Mengede. Weißt Du noch, wir waren doch zusammen in Berlin auf dem Katholikentag. In meinem Zelt wurde alles Eßbare geteilt, eine schöne Tradition, die die Gemeinschaft von uns Zeltbewohnern stärkte. Gefühstückt haben wir im Zelteingang auf Luftmatratzen.

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